Corinna und Volker Altenhof

Corinna und Volker Altenhof – Ein Künstlerpaar

Corinna und Volker Altenhof sind seit 1981 ein Paar. Sie haben drei erwachsene Kinder. Corinna und Volker Altenhof leben gemeinsam und arbeiten in  getrennten Ateliers in Hamburg und Eckernförde.

Fenna Wehlau Volker, die Inspiration für dein Werk geht oft von den Naturerlebnissen deiner unmittelbaren Umgebung, der Küstenlandschaft Schleswig-Holsteins aus. Was beschäftigt Dich aktuell?

Volker Altenhof Das stimmt, aber natürlich nicht naturalistisch im klassischen Sinne, sondern es entsteht eine durch meinen persönlichen Filter verdichtetes Extrakt der Naturerfahrung. Neben der Küste auf der einen Seite, umgibt mich auf der Anderen der große Wald. Darüber arbeite ich zurzeit. Aber das ist es nicht allein. Es entstehen immer wieder daneben Arbeiten zum Zyklus "Briefe an den Horizont". Da bin ich noch nicht fertig.

Fenna Wehlau In der hier gezeigten Ausstellung zeigst Du auch Arbeiten aus diesem Zyklus. Was hat Dich zu der bildnerischen Umsetzung von „Briefen“ veranlasst?

Volker Altenhof Zunächst sind Briefe ja Texte in einem bestimmten Format an einen Adressaten gerichtet. In meinem Werkzyklus "Briefe an den Horizont", ist der Adressat nicht personifiziert. Sondern es ist der Horizont, als Synonym für etwas Unerreichbares, anonym und von daher allgemeingültig gerichtet an den universellen Empfänger oder Rezipienten. Die Texte in den "Briefen" sind eine Beschreibung von individuellem "Zustand", spontan und authentisch gesetzt, manchmal fragmentarisch. In subtraktiven Arbeitsprozessen werden Textpassagen dadurch codiert. Die Schrift als solche verwende ich als graphisches Gestaltungselement in den Brief-Flächen mit einem kalkuliertem Zeilenrythmus. Oft findet sich in den "Briefen" zeichnerische Elemente, sie sind eine in die Grundierung gearbeitete Akzentuierung des Textes.

Fenna Wehlau Es entstehen gerade neue Arbeiten zum „Wald“. Was reizt dich an der bildnerischen Umsetzung des Waldes?

Volker Altenhof Wie gesagt, gehört der Wald zu meiner unmittelbaren Atelierumgebung, mit seinen wechselnden Erscheinungsformen, je nach Jahreszeit. Da gibt es graphische und farbliche Sensationen. In den achtziger Jahren habe ich das Thema schon einmal bearbeitet. Mir schien es wert mich darauf erneut einzulassen, vor dem Hintergrund einer anderen Sichtweise und Erfahrung einen neuen Werkzyklus zu schaffen.

Fenna Wehlau Ihr unternehmt zusammen ausgedehnte Reisen, wie dieses Jahr mit der MS Europa nach Skandinavien. Volker, für dich sind auch hier die Naturerlebnisse Ausgangspunkt für deine Malerei?

Volker Altenhof Eigentlich ist es so..... Gewaltige Naturerlebnisse sind für mich prägend. Die absolute Reduziertheit von Landschaft, wie zum Beispiel Wüste, Gletscher, Meer, interessiert mich. Da mache ich dann weiter auf der Suche nach der eigenen Landschaft.

Fenna Wehlau Und dann entstehen Arbeiten wie "Nordland", hellerleuchtete Eisbrocken vor dem tief dunkelblauen Himmel der Arktis.

Volker Altenhof Diese "Nordland-Bilder" zeigen den Versuch Landschaft exemplarisch zu reduzieren auf das Wesentliche, wie z.B. große Kontraste. Das sind meine Stilmittel, sie leiten einen Prozess ein, angemessene Farbigkeiten für meinen individuellen Landschaftsentwurf zu finden.

Fenna Wehlau Corinna, stehen Deine Arbeiten auch in unmittelbarem Bezug zu den Reisen?

Corinna Altenhof Das Reisen ist ein wichtiges Moment in meinem Leben, auch etwas, das Volker und mich sehr verbindet... Natürlich liebe ich Landschaften, will diese jedoch nicht direkt auf meine Malerei übertragen. Oft werde ich beim Betrachten der Arbeiten gefragt: "ist das eine Landschaft?" und ich winde mich dann, weil es mir immer um "innere" Landschaften geht. Ich versuche eine bestimmte Stimmung zu zeigen. So kann es passieren, dass ich eine wunderbare, gestaltete Wachsoberfläche mit schwarzen Pigmenten überziehe, um beim abziehen der Pigmente Narben, Kratzer und Spuren zu hinterlassen. Die Begegnungen, Erlebnisse und das Fremde sind für mich wichtig auf Reisen. Ich schreibe Tagebuch, um Momente und Eindrücke wiederholen zu können. In diesem "Freiraum" Reisen fühle ich mich beweglich und offener in meinen Entscheidungen. Das nehme ich mit.

Fenna Wehlau Ihr arbeitet beide Landschaften: bei dir, Corinna ist es eine Stimmung, ein Eindruck, eine Begegnung, eine „innere Landschaft“, die Du transformierst und bei dir, Volker ist es besonders die Reduziertheit der Landschaft, die dich fasziniert. Aus den gemeinsamen Reisen und Eindrücken entstehen in ihrer Materialität und Sinnlichkeit verbundene Arbeiten. Corinna, du arbeitest mit Pigmenten und Wachs, welches du als Malmittel einsetzt. Verrätst du uns etwas über Deine Maltechnik?

Corinna Altenhof Ich erhitze das Wachs und trage es nach und nach auf den Bildträger auf. Die Pigmente sind dem Wachs beigefügt oder werden eingerieben. Das genaue Verfahren der Bearbeitung von Wachs und Pigmenten bleibt aber mein Ateliergeheimnis.

Fenna Wehlau Demnach arbeitest du im Verfahren der Enkaustik, welches in der Ikonenmalerei der griechischen Antike angewandt wurde und dann ab der Spätantike in Vergessenheit geriet. Die Technik war für die damaligen Künstler sehr aufwendig und wurde von der Eitempera abgelöst. Nur wenige moderne Künstler wie Delaunay und Jasper Johns haben in Enkaustik gearbeitet. Wie bist du dazu gekommen, in Enkaustik zu arbeiten?

Corinna Altenhof Ja, die vor Jahrhunderten in Enkaustik gearbeiteten Ikonen strahlen noch heute in phantastischer Farbigkeit, wenn sie nicht extremen Bedingungen ausgesetzt waren. Mir entspricht diese Technik. In den achtziger Jahren habe ich mit Graphit gearbeitet. Während einer New York Reise habe ich Arbeiten mit laufendem Wachs gesehen, die mich angeregt haben, Graphit und Wachs zusammen zu bringen. Später resultierte daraus die intensive Beschäftigung mit dem Verfahren der Enkaustik.

Fenna Wehlau Dabei ist die „Verletzbarkeit“ ein wiederkehrendes Moment.

Corinna Altenhof Das wiederkehrende Moment der "Verletzbarkeit" ist nicht eine Frage der Technik, sondern ist eine über das Material transportierte Botschaft, über die Verletzbarkeit in jedem von uns. Die Arbeiten sind durch kratzen oder ritzen sehr leicht zu "verletzen", da das Wachs sofort alle Spuren aufnimmt. Andererseits ist durch diese Technik ein konservierendes, bewahrendes und schützendes Arbeiten möglich.

Fenna Wehlau Gab es eine bewußte Entscheidung für die räumliche Trennung eurer Ateliers?

Corinna Altenhof Es ist richtig, unsere Ateliers sind räumlich voneinander getrennt. Die Möglichkeit in Muße und Ruhe zu arbeiten ist für mich unverzichtbar und es hat so lange gebraucht bis ich "ein Zimmer für mich allein" hatte. Natürlich kommunizieren wir ständig über unsere Malerei miteinander, oft schicken wir uns gegenseitig Zustandsfotos von Arbeiten und holen die Meinung des anderen ein.

Fragen von Lesern

Dieses Interview wurde am 10.11.2011 geführt.

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