Carmen im Gespäch

Carmen Hillers „Points“

Fenna Wehlau Carmen, den Zyklus, an dem Du aktuell arbeitest hast Du mit „Points" betitelt. Die Arbeiten zeigen präsente runde Formen in einer kontrastreichen Farbpalette. Wie bist Du von der „Winterreise" zu den „Points" gekommen?

Carmen Hillers Grundsätzlich unterscheiden sich diese beiden Werkgruppen schon dadurch voneinander, dass die „Winterreise“ einen programmatischen Bezug hat und von den Gedichten Müllers und den Vertonungen Schuberts inspiriert ist; während die „Points“ eher freie Arbeiten sind. Der Titel dieser Werkgruppe, die mich zurzeit beschäftigt, hat eine eigene Geschichte. Mein Mann, Steffen Wolf, wurde um eine Komposition für Toy Piano anlässlich eines Konzerts einer mit uns befreundeten Pianistin gebeten. Er wollte sich mit dieser Arbeit gern auf meine aktuellen Bilder beziehen, die ihm besonders gut gefielen. Und so landeten wir bei „Points“, ebenso passend zu dem „pointierten“ Tastenklang des Instrumentes wie zu meiner Vorliebe für Punkte, Kreise und Kugeln.

Fenna Wehlau In den „Points“ sehen wir diese Punkte, Kreise und Kugeln streng formal angeordnet.

Carmen Hillers Meine Formen sind meist rund (oder von Kreisen, Punkten oder Kugeln abgeleitet) . Der spielerische Vorgang, das Suchen nach der stimmigen Komposition der Bildelemente ist am Ende nicht mehr sichtbar. Was bleibt, ist das Bild, in dem sich in konzentrierter Form zeigt, wonach ich gesucht habe. Mich interessiert Klarheit und Leichtigkeit; das versuche ich auszudrücken.

Fenna Wehlau Ja, die reduzierte Farbpalette und Formensprache vermittelt diese angestrebte Klarheit und Leichtigkeit deutlich. Die „Vom Wasser-Meditationen“ sind in ihrer Leichtigkeit Ausdruck einer spielerischen Suche nach verborgenen Gesetzmäßigkeiten, wenn hingegen die Arbeiten auf Voile keine Zufälligkeiten zu lassen?

Carmen Hillers Das lässt der Malgrund nicht zu, der etwas heikel ist. Man kann nur bedingt mit Übermalungen arbeiten, damit die Durchlässigkeit nicht verlorengeht. Das ist Segen und Fluch zugleich, denn es zwingt mich zu sehr klaren Vorstellungen und ich kann mich nicht im Zufälligen verlaufen. Wenn das sich nicht zu meiner Zufriedenheit umsetzen lässt, muss ich das Bild abziehen und von vorn beginnen. Da heißt es Geduld haben.

Fenna Wehlau „Verstand und Gefühl“ – dieser Titel könnte wiederum als Oberbegriff für Deinen aktuellen Werkprozess stehen.

Carmen Hillers Die Arbeiten, die ich mit „Verstand und Gefühl“ betitelt habe, sind in besonderer Weise der Idee gewidmet, das Kräftespiel zwischen dem Bewussten und Unbewussten darzustellen, Verborgenes aufzuspüren. Ich finde den Aspekt sehr interessant, welche Form oder Architektur etwas hat, das wir alle spüren können, unbestimmte oder bestimmte Gefühle zu Menschen, Beziehungen, zu Situationen, Ahnungen, dergleichen. Oder auch, wie es sich in der eigenen Innenwelt damit verhält. Ich möchte Formen und Kompositionen finden, die mir gleichermaßen fremd und vertraut erscheinen.

Fenna Wehlau Steffen, im Dialog mit dem Zyklus „Points“ hast Du ein Stück für Klavier geschrieben, welches die von Carmen angestrebte Klarheit und Leichtigkeit ausdrückt. Wie fühlst Du Dich musikalisch in die Bilder ein?

Steffen Wolf Der Anfang des Stücks ist wie ein Tasten mit Tonpunkten – mit Blick auf Carmens Bilder und Gedanken an die Vielfältigkeit des Begriffs Point/Punkt. Im Komponieren geht das Stück dann aus diesem Anfangspunkt, der wie eine Keimzelle ist, seinen eigenen Weg, entwickelt seinen eigenen Organismus, seine eigene Form. Durchschreitet die „Landschaft" und nimmt immer wieder neue Standpunkte ein, auch eine kleine Fuge: wie klingen Carmens spielbare Namenspunkte: c-a-e-h-e-(e)s.

Dieses Interview wurde im April 2014 geführt.

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