Biografie Peter Nygaard 1958 geboren in Hamburg [Ausstellung]
1980-84 Studium Kunstgeschichte/Philosophie Uni Hamburg
seit 1985 freischaffender Bildender Künstler
Ausstellungen
(Auswahl)
1987 Galerie Caspar Bingemer Nach oben
1990 Haus der Kunst, Leningrad (St. Petersburg)
1991 Galerie Photura, Hamburg
1996 Schloss Reinbek
Werkabschnitte 1985-89 Malerei Nach oben
1990-96 Siebdrucke
seit 1997 Tafelbilder
Über die Tafelbilder
von Peter Nygaard
Die hier vorgestellten Großformate von Peter Nygaard sind Tafelbilder auf freien Flächenformen, die Maße bis zu dreieinhalb Meter erreichen. Sie erinnern an bekannte Formen wie Ellipse und Dreieck, von denen sie sich jedoch im Detail unterscheiden. Die Großformate stehen in Anlehnung an den Minimalismus nur für sich, sie erreichen eine absolute Identität mit sich selbst, jedoch beschreiben sie keine gewohnte Idealform.

Ausgangspunkt für die Großformate sind Skizzen, bei deren Gestaltung Nygaard nicht von einem Abstraktionsvorgang ausgeht, vielmehr setzt er die Linie ohne jede Assoziation als freies künstlerisches Mittel ein. Er skizziert dabei schnell und eruptiv, aus der Bewegung heraus, immer im Vertrauen auf den Zufall. Die erreichten Formen und Proportionen können damit nicht mathematisch kalkuliert, ideal oder genormt sein. Aus dem so entstehenden Fundus von Skizzen wählt er Vorlagen für die Großformate aus, welche bereits alle Kennzeichen des Endproduktes zeigen. Sie werden beim späteren Übertragen in die gewünschte Größenordnung lediglich optimiert.

Nygaard interessiert die Bildkante als gezeichnete Linie. Er konstruiert seine Arbeiten nicht auf Basis von geometrischen Formen, vielmehr geht er von der freien Linie aus. Dementsprechend unterwirft er die Farbwahl keinem System: In einem Verfahren des schnellen Kombinierens, im Vertrauen auf seine Erfahrung und Intuition, wählt Nygaard aus einer persönlichen Sammlung von Farbtafeln die jeweiligen Farbklänge aus. Farbe wird dabei als gleichberechtigtes Medium eingesetzt, wobei ihre Oberfläche mitunter einen malerischen Duktus aufweisen kann. Gerade die malerische Behandlung der Fläche schafft eine Dynamik von Innen- und Außenform, die den eigentlichen Klang der jeweiligen Arbeit zum Schwingen bringt und ihr eine Art Reliefcharakter verleiht. Im Gegensatz zu Mangold, der konkret erkennbare Formen subtrahiert, favorisiert Nygaard die ästhetische Belebung mit malerischen Mitteln im Balanceakt von Zufall und genauem Kalkül. Beide erzeugen mit ganz unterschiedlichen Verfahren Innenformen, die mit der Außenform korrespondieren.

Im Bildverständnis von Nygaard werden Form, Farbe, Linie und Raum nicht einander untergeordnet, er behandelt sie frei und gleichberechtigt zueinander. Die Formatgröße entspricht dabei nicht nur den Prinzipien der absoluten Identität der Arbeit mit sich selbst und ihrer Freiheit, sie transportiert auch ihre unmittelbare Wirkung im Raum, welche einen unerwarteten Zustand des Schwebens erreicht.

Fenna Wehlau
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