Biografie Eberhard Ross Arbeitsschwerpunkt: Zeichnung und Malerei [Ausstellung]
geboren 1959 in Krefeld
Studium an der Hochschule Essen (ehem. Folkwangschule) bei Lazlo Lakner/Friedrich Gräsel
Eberhard Ross
Einzel-Ausstellungen ab 1999 1999 "kraftfelder", Zeche Zollverein, Essen Nach oben
seit 2000 e|ross www.eross.de
2001 "stille. zeichen", RWW Mülheim an der Ruhr
2002 "gerade.ungerade.", Galerie Renate Moltrecht, Essen
2003 "speicher", Galerie Renate Moltrecht, Essen
Gruppen-Ausstellungen ab 1999 1999 "Kunst der Linie", Zeichnung '99, Linz, Österreich Nach oben
2000 "EKK", Museum Folkwang, Essen
"Große Kunstausstellung München", Haus der Kunst, München
"Große Kunstausstellung NRW", Düsseldorf
"Jahresausstellung Mülheimer Künstler", Museum Alte Post, Mülheim an der Ruhr
2001 "Große Kunstausstellung NRW", Düsseldorf
"Jahresausstellung Mülheimer Künstler", Museum Alte Post, Mülheim an der Ruhr
2002 "Große Kunstausstellung NRW", museum kunst palast, Düsseldorf
"Schwingungen", Museum Alte Post, Mülheim an der Ruhr
2003 "50 JA Reflektionen - Reaktionen", BBK Westfalen, Ausstellungshalle der Dortmunder Museen
Zu den Arbeiten von Eberhard Ross Das künstlerische Werk von Eberhard Ross ist in besonderem Maße der Zeichnung verpflichtet, sei es nun in Öl auf Leinwand gestaltet oder mit Graphitstift auf Papier.

Auch die großformatigen malerischen Arbeiten von Ross gewinnen ihre besondere Charakteristik durch den Strich und die Zeichensetzung, die er in kontextbildende Strukturen übersetzt, die die Bildflächen vollständig bedecken. Die Arbeiten von Eberhard Ross zeichnen sich durch eine besondere Form der Komposition aus. Seine Bildstrukturen sind in dem Sinne kompositionell, in dem sie hierarchische Ordnungen der Beziehungssetzungen der Formen untereinander gegen eine alles übergreifende kontinuierliche Gestaltung austauschen. Die Strukturen, mit denen Eberhard Ross seine Werke überzieht, wirken wie aus einem größeren Kontext herausgelöst und scheinen unendlich über die Fläche hinaus erweiterbar zu sein. Dies gilt in besonderem Maße für die Spiralbilder, bei denen sich die Form kontinuierlich aus der Mitte heraus über das quadratische Format erstreckt und nur durch das Format selbst begrenzt, aber nicht beendet wird. Die Spirale ist dabei - wie alle Strukturformen von Eberhard Ross - keine technisch konstruierte Form, sondern ist eine manuell ausgeführte Linienstruktur, die uns einen Einblick in die kontemplative und konzentrierte Malweise dieses Künstlers vermittelt.

Das Lineament wird Stück für Stück auf das Blatt bzw. die Leinwand gesetzt und verlangt vom Künstler höchste Konzentration, die kombiniert zu sein scheint mit einer Gelassenheit im Temperament. Keine hektische oder gestische Ausdrucksweise darf sich in den Strich hinein verirren, sondern die Präzision und Leichtigkeit, mit der die Elemente ausgeführt sind, bedingen sich aus der inneren Selbstverständlichkeit, mit der der Künstler dies umsetzt. Dies gilt für die Spiralen ebenso wie für die unendlichen Mäander, die sich gegenläufig über die ganze Leinwand ziehen.

Jene besondere Form von erweiterbarer Struktur findet sich auch in den "Leiterbildern", in denen Eberhard Ross je eine Doppellinie mit einer Anzahl von Querlinien versetzt. Die so entstandenen "Leitern" sind mit einer musikalischen Komposition vergleichbar, da die Querlinien nie gleichförmig und in regelmäßigen Abständen gesetzt sind, sondern sich rhythmisch verdichten und wieder auflösen. Sie erinnern an eine Art kontemplativer Aufzeichnung, an tagebuchartige Skizzen; und wie eng solche Verknüpfungen in der Tat im Werk von Eberhard Ross sich darstellen, wird in den "Brief-Serien" deutlich, in der jeder einzelne Strich eine Situation, eine Information und eine Zeitsequenz zu umfassen scheint, die einer chronologischen Niederschrift gleicht und die den philosophischen Inhalt von Zeit und Existenz thematisiert.

Die inhaltliche Festlegung der Arbeiten des Künstlers ist auch im Kontext ihrer formalen Gestaltung wichtig. Diese besondere Analogie bedingt sich nicht zuletzt durch die intensive Beschäftigung des Künstlers mit der Philosophie des Zen, worin gerade die kontemplative und sukzessive Qualität der Arbeiten begründet liegt.

Die Strukturen in Eberhard Ross' Arbeiten wirken nie wie gesetzt, sondern wie gewachsen und aus dem Prozess des Schaffens selbst entwickelt. Besonders deutlich wird dies auch bei den im letzten Zeitraum entstandenen Arbeiten, die scheinbar Naturstrukturen aufgreifen wie das Blatt-Adersystem von Pflanzen, die sich in fraktalen Strukturen über die Leinwand ziehen und so jede Gleichförmigkeit oder mathematische Berechenbarkeit aufbrechen zugunsten einer aus sich selbst bedingten Wachstumsstruktur, die die Leinwand bzw. das Papier gleichmäßig überzieht und unendlich fortgedacht werden kann. Dieses Aufgreifen von naturidentischen Formen gipfelt in der Arbeit "Fische" aus dem Jahr 2000, in der Eberhard Ross die reduzierte Form eines Fisches hundertfach wiederholt und sie in einer spiralförmigen Bewegung über einen dunklen Leinwandgrund setzt. Ross schafft so einen Sog der Bewegung, die sich über die Bildfläche bewegt und gleichzeitig in ihrer Ziellosigkeit fast magische Ruhe ausstrahlt.

Der Betrachter wird in den Werken von Eberhard Ross ständig aufgefordert, den Linien oder Formen mit dem Auge zu folgen und gerät bei der Betrachtung in einen Zustand der Unauflöslichkeit, da es nicht gelingt, ein Bild "zu Ende zu betrachten".

Diese ständige Wiederholung in der Betrachtung, die der Gestaltung durch den Künstler entspricht, leitet über in eine ausgesprochen meditative Erfahrung, die sich in der Betrachtung sowie in der Entstehung der Bilder gleichermaßen einstellt. Diese philosophische Qualität der Erfahrung, die den Arbeiten von Eberhard Ross innewohnt, ist es jedoch, was der Künstler im Kern mit den asiatischen Philosophien verbindet und sie in zeitgemäße Formen überträgt.

Dr. Gabriele Uelsberg,
Museum Alte Post,
Mülheim an der Ruhr
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"speicher" Eberhard Ross arbeitet mit Symbolen kosmischer Ordnung und Urbildern von Wachstumsprozessen: Spiralen, Leitern, Netze aus Diagonalen, Waagerechten und Senkrechten. Das Bild erscheint als Speicher. Im Gegensatz zum Speichern abstrakter Dateninformationen ermöglicht das lebendige Anschauen der Malerei hier das Aufnehmen gesammelter Kraft. Speicher als Sammlung, "Entschleunigung" als Quelle von Energie.

Der Künstler speichert durch Wiederholung seiner Handlung. Linie reiht sich an Linie.

Im Einlassen auf das energetische Feld des Bild-Speichers vollzieht der Sehende die Struktur nach, die nicht nur an grundlegende Entwicklungsprozesse des Lebendigen erinnert, sondern an ihnen teilnehmen lässt. Der Speicher lässt Kraft strömen, indem er sie aufnimmt.

Die an musikalische Rhythmen erinnernde 'Feldarbeit' des Malers weist dabei auf die Arbeit anatolischer Teppichweber, die der Komponist Morten Feldmann auch mit seiner musikalischen Komposition vergleicht:

"Was meine Gedanken über Teppiche betrifft, ich weiß, dass für mich der phantastische Teppich derjenige ist, wo die Person monatelang arbeitet und sich der Arbeit, die vor ihr liegt, widmet, und die Arbeit wird konzentriert, und die Entscheidungen sind einfach und demütig, und man beginnt die Aura des Teppichs als etwas sehr Schönes hervortreten zu fühlen. [...] Aber es ist die Arbeit, die Einsamkeit der Arbeit. Wissen Sie, was das bedeutet ? Ich meine, Sie sitzen da auf einem Stein mitten in der Türkei und machen dieses Ding da ? Wochen auf Wochen."

Ähnlich diesen heiligen Teppichen können die Bilder von Eberhard Ross im Wahrnehmen zu Quellen eigener Speicherkapazitäten werden. Indem ich im Sehen die zeit-zeichnende Tätigkeit des Künstlers nachvollziehe, nehme ich Anteil an dessen individuellen Lebensrhythmen. Gleichzeitig kann ich mich in der Konfrontation mit den uralten Schemen der Bildformen im Sehen an universale Zeitstrukturen angeschlossen erleben: Bildzeit wird Lebenszeit.

Katharina Lökenhoff,
Essen
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